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Gesetzliche Rentenversicherung im Zugzwang

Die Deutsche Rentenversicherung rechnet für 2016 mit einem Milliardendefizit, das durch den Griff in die Rücklagen ausgeglichen werden muss. Ohne Änderungen in der gesetzlichen Rentenversicherung werden laut Experten künftig die Rentenbeiträge steigen und das Rentenniveau weiter sinken.

Gesetzliche Rentenversicherung im Zugzwang

21.11.2016 (verpd) Bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) schwinden in den kommenden Jahren die Reserven dahin. Die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage dürfte von 32,2 Milliarden Euro oder 1,60 Monatsausgaben zum Jahresende 2016 bis auf 0,26 Monatsausgaben in 2022 zurückgehen, was Beitragserhöhungen zur Folge hätte. Auch das Rentenniveau würde laut Experten ohne Gegenmaßnahmen bis 2045 auf unter 42 Prozent fallen.

Letztes Jahr betrug das Finanzierungsdefizit der gesetzlichen Rentenversicherung 1,6 Milliarden Euro. Dr. Axel Reimann, Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV), rechnet für dieses Jahr mit einem Anwachsen des Finanzierungsdefizits auf 2,3 Milliarden Euro, das aus den Rücklagen abgedeckt werden muss. Entsprechend dürfte die Nachhaltigkeitsrücklage auf 32,2 Milliarden Euro oder 1,60 Monatsausgaben sinken.

Beitragserhöhungen nicht ausgeschlossen

Bis zum Jahr 2022 könnte der Finanzpuffer bis auf 0,26 Monatsausgaben abschmelzen. Ein nachhaltiges Absinken unter 0,2 Monatsausgaben würde laut Gesetz Beitragserhöhungen erforderlich machen.

Reimann zufolge sind die Zahlungsströme im Jahresverlauf sehr volatil. So sei der Oktober stets finanzschwach, während Sonderzahlungen an die Arbeitnehmer im November und Dezember die Rentenkasse wieder auffüllen, erläuterte der DRV-Präsident. Reimann will aber die monatliche Zahlungsfähigkeit der Renten gesichert wissen. Deshalb appelliert er „nochmals eindringlich“ an die Politik, die Untergrenze bei der Nachhaltigkeitsreserve auf 0,4 Monatsausgaben zu erhöhen.

Netto-Rentenniveau ist nur vorübergehend stabil

Dem DRV-Präsidenten zufolge sind zwar Beitragsstabilität und ein weitgehend stabiles Rentenniveau bis zum Jahr 2021 gesichert, man müsse aber auch den Blick jenseits des Jahres 2030 schärfen. Nach seiner Prognose wird das Rentenniveau in diesem Jahr von 47,7 Prozent auf 48,0 Prozent und 2017 sogar auf 48,2 Prozent zunehmen, um dann bis zum Jahr 2020 leicht auf 47,9 Prozent zu sinken.

Ohne Gegensteuern würde das sogenannte Netto-Rentenniveau vor Steuern allerdings bis zum Jahr 2045 auf 41,7 Prozent deutlich abnehmen, erklärte der DRV-Präsident unter Berufung auf Berechnungen aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).