Die Rechte als Passagier

Egal, ob man mit dem Zug, dem Bus, dem Flugzeug oder dem Schiff unterwegs ist, bei Verspätungen oder einem Ausfall des Transportmittels hat man als Passagier in vielen Fällen ein Anrecht auf Entschädigung.

Die Rechte als Passagier

11.8.2014 (verpd) EU-Bürger, die zu Wasser, zu Land oder in der Luft als Passagier ein Transportunternehmen im europäischen, aber auch im außereuropäischen Ausland nutzen, haben zahlreiche Schutzrechte. Doch nicht für alles gibt es eine finanzielle Wiedergutmachung.

Jedes Jahr reisen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) alleine in Deutschland über 9,1 Milliarden Bürger im Linienverkehr mit Bus oder Straßenbahn, 2,6 Milliarden mit dem Zug und rund 181 Millionen mit dem Flugzeug. Die Europäische Union hat zumindest für die Passagiere in den europäischen Staaten eine Rechtsgrundlage eingeräumt, damit diese ab einer gewissen Verspätung oder bei stornierten Fahrten eine finanzielle Entschädigung bekommen.

Unterwegs mit dem Zug

Verzögert sich beispielsweise die Ankunft eines gewählten Zuges um 60 bis 119 Minuten, steht dem Bahnreisenden eine Entschädigung in Höhe von mindestens 25 Prozent des Fahrpreises zu. Ab einer Verspätung von 120 Minuten sind es mindestens 50 Prozent des Fahrpreises. Fällt der fahrplanmäßig letzte Zug des Tages aus oder muss in der Nacht zwischen 0 und 5 Uhr mit einer mindestens einstündigen Verspätung gerechnet werden, kann der Reisende die Erstattung der Kosten für alternative Verkehrsmittel wie Bus oder Taxi bis zu einem Betrag von 80 Euro verlangen.

Im Nahverkehr, also beispielsweise bei Reisen mit Regionalbahnen, haben Fahrgäste ab einer 20-minütigen Verspätung Anspruch auf die Benutzung eines alternativen Zuges, selbst wenn es sich um einen Fernzug handelt. Allerdings muss er laut Deutscher Bahn „bei Nutzung eines tariflich höherwertigen Zuges die zusätzlich erforderliche Fahrkarte zunächst bezahlen und kann die Kosten anschließend geltend machen“. Diese Regelung gilt jedoch nicht bei stark ermäßigten Tickets wie dem Schönes-Wochenende-Ticket, Quer-durchs-Land-Ticket oder Länder-Tickets.

Bis vor Kurzem musste die Bahn für Verspätungen nur dann zahlen, wenn ein technisches Problem oder eine Störung im Betriebsablauf dafür verantwortlich war. Nach einem aktuellen Urteil (AZ.: C-509/11) des Europäischen Gerichtshofes gibt es eine anteilige Fahrpreiserstattung auch dann vom Bahnunternehmen, wenn höhere Gewalt zu einer späteren Ankunft führt. Weitere Einzelheiten über die Rechte der Bahnreisenden stehen online auf den Webseiten des Tarifverbandes der Bundeseigenen oder Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE).

Wenn der Flieger sich verspätet

Bei der Personenbeförderung mit dem Flugzeug ist dies nicht so: Hier gibt es keine Entschädigung bei einer Verspätung oder Flugannullierung infolge höherer Gewalt oder aufgrund sonstiger außergewöhnlicher Umstände. Zu diesen Umständen zählen schlechte Witterungsbedingungen wie Starkregen oder dichter Nebel, Naturkatastrophen, nicht angekündigte Streiks von Flugpersonal, politische Unruhen, aber auch ein Vogelschlag, also wenn Vögel in das Triebwerk eines Flugzeugs geraten und es beschädigt wird.

In allen anderen Fällen haben Fluggäste, die wegen einer Überbuchung oder Annullierung ihres Fluges nicht zum gebuchten Ziel kommen, ein Anrecht auf eine Erstattung des Flugpreises, oder wenn möglich, einen Anspruch auf eine anderweitige Beförderung. Zudem muss die Airline durch die Überbuchung oder Stornierung des Fluges, aber auch bei Verspätungen, notwendige Betreuungsleistungen wie Mahlzeiten, Unterkünfte und Telefonate übernehmen.

Bei Verspätungen gilt dies jedoch nur, wenn die spätere Ankunft mindestens zwei Stunden bei einer Strecke bis 1.500 Kilometer, drei Stunden bei einer Strecke ab 1.500 bis 3.500 Kilometer oder vier Stunden ab 3.500 Kilometer beträgt. Bei fünf Stunden Verspätung oder mehr kann der Reisende den vollständigen Flugpreis zurückverlangen und vom Flug zurücktreten. Zudem kann er zum nächstmöglichen Zeitpunkt zum ersten Abflugort zurückfliegen, wenn durch die Verspätung eine Weiterreise, wie im ursprünglichen Reiseplan vorgesehen, zwecklos geworden ist.

Ausgleichszahlungen für Flugreisende

Des Weiteren haben die Flugpassagiere bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung von drei Stunden oder mehr Anspruch auf entfernungsabhängige Ausgleichszahlungen: Bei Flügen innerhalb der EU bis 1.500 Kilometer sind es 250 Euro, bei mehr als 1.500 Kilometern 400 Euro.

Bei Flügen von der EU in Nicht-EU-Länder sind es bis 1.500 Kilometer 250 Euro, bei über 1.500 bis 3.500 Kilometern 400 Euro und bei über 3.500 Kilometern 600 Euro.

Wenn die Flugannullierung 14 Tage vor Abflug dem Fluggast mitgeteilt wird oder wenn die Fluglinie den Gast sieben Tage vor Abflug informiert und ihm zeitgleich ein Angebot einer zeitnahen Ersatzbeförderung unterbreitet, entfällt jedoch eine Ausgleichszahlung. Wird ein Ersatzflug angeboten, kann die Entschädigung um 50 Prozent gekürzt werden.